Mehr als 100 Jahre sind vergangen, seitdem mit Emilie Winkelmann 1907 in Berlin die erste Frau ihr eigenes Architekturbüro in Deutschland gründete. Heute studieren deutlich mehr Frauen Architektur als Männer. Aber die großen Entwürfe stammen meist von Männern, selbst die berühmte Zaha Hadid konnte nur wenige ihrer spektakulären Entwürfe realisieren. Dazu gehören das Innovation Center in Hongkong oder das Wissenschaftsmuseum in Wolfsburg.

der Entwurf der “Frankfurter Küche” machte sie international bekannt.

Die Frankfurter Küche hat die Wienerin Margarete Schütte-Lihotzky international bekannt gemacht. Von 1915 bis 1919 studierte sie in Wien und arbeitete mit der Ikone des Jugendstils, Albert Loos. Dort wurde sie von Ernst May entdeckt, damals im Hochbauamt der Stadt Frankfurt und konnte dieses “Labor für die Hausfrau” entwerfen, der Prototyp aller heutigen Einbauküchen. Als überzeugte Kommunistin war sie den Wirren der Weltkriege ausgesetzt, arbeitete im Ostblock und seit den 1960er Jahren wieder in Wien.

Schon Mitte der 1920er Jahre wurden die Arbeitshöhen in der Küche ermittelt.

Emilie Winkelmann gilt als die erste freiberufliche Architektin Deutschlands. Sie studierte ab 1902  in Hannover, konnte aber 1906 nicht mit einem Examen abschließen, da Frauen nicht zugelassen waren. Sie konnte aber mehrere Gebäude fertigstellen und wird heute auf einer Linie mit Heinrich Muthesius gesehen.

sie war die erste freiberufliche Architektin Deutschlands

Ihre herausgehobene gesellschaftliche Stellung und die kaiserliche Fürsprache ließen Viktoria zu Bentheim und Steinfurt 1913 an der Technischen Hochschule in Berlin studieren. Mehr als die Entwürfe zum Osttor des Schloßparks in Bad Bentheim und die Schlossmühle in Steinfurt konnte sie nicht realisieren.

ein Studium mit kaiserlicher Genehmigung

Iris Dullin – Grund war die Vorzeigearchitektin in der DDR. 1960 begeisterte sie die Staatsführung mit ihren “Haus für Kultur und Begegnung” in Neubrandenburg und danach standen ihr alle Türen offen.

Dieses Kulturzentrum in Brandenburg brachte den Durchbruch für Iris Dullin-Grund.

Erfolgreiche Architektin, Mutter von fünf Kindern und Dozentin, diesen Spagat kann die Stuttgarter Almut Grüntuch – Ernst bewältigen. 1991 hat sie mit Mann Armand Grüntuch ein Architekturbüro in Berlin gegründet, das heute international tätig ist. www.gruentuchernst.de 

Wohnung und Büro der Berliner Architekten Grüntuch – Ernst

Das Deutsche Architekturmuseum porträtiert 22 Frauen, die deutsche Architektur seit 1900 maßgeblich beeinflusst haben oder bis in die heutige Zeit prägen. Dabei lässt sich die mühsame Arbeit nicht vertuschen, diese Ausstellung auf die Beine zu stellen, aber etwas mehr Großzügigkeit im Raum hätte man sich gewünscht. Eine gute Idee ist die Zettelwand am Ausgang mit Kommentaren, darunter viele Architektinnen, die ihre aktuelle Situation beschreiben. Bis zum 8. April. www.dam-online.de