Nur ein paar Schritte sind es von der Weihnachtsseligkeit am Römer in eine Realität sozialer Umbrüche, geradezu symbolisch gilt dafür die Weimarer Republik wie aktuell in der Schirn zu sehen. In den Gedanken verhaftet sind Revolten, eine galoppierende Inflation, exzessives Feiern, Weltwirtschaftskrise und der Beginn des Dritten Reiches.

Curt Querner – Agitator

Aber diese massiven Spannungen haben viele Neuerungen geboren: ab 1923 gab es das Radio für jedermann, kamen die Frauen ihrer Gleichberechtigung ein Stück näher, wurde Homosexualität geduldet, herrschte eine turbulente politische Szene, konnten Künstler ohne jede Zensur arbeiten. Industrie und Wissenschaft entwickelte sich rasend schnell, damals ging jeder dritte Nobelpreis nach Deutschland. Kaum zu glauben in der heutigen Presselandschaft, dass 3500 verschiedene Zeitungen erschienen, die Magazine begeisterten mit hinreißenden Karikaturen, die an Deutlichkeiten nicht zu übertreffen waren.

in der Ausstellung

Die zwanziger Jahre standen auch für die selbstbewusste Frau, die nun Bubikopf trug, Zigaretten in der Öffentlichkeit rauchte, einen Smoking tragen konnte und ihre androgyne Figur mit viel Sport stählte.

Lotte Laserstein – Tennisspielerin

In der Weimarer Republik arbeiteten Frauen als Ärztinnen, in Büros und in Kaufhäusern, machten sich in der politischen Kunst einen Namen. Wie Jeanne Mammen mit ihren unvergleichlich zarten Karikaturen des Berliner Alltags oder Dodo aus einer reichen jüdischen Familie, die Zugang zur Elite und ihren Vergnügungen hatte.

Jeanne Mammen – Zwischen den Klassen – Cafe Nollendorf   Katalog Hirmer Verlag München.

Aber in diese Zeit gehörte auch die Verelendung von Familien, wo der Ernährer im Krieg gefallen war oder verkrüppelt wurde. In den Großstädten stieg die Prostitution sprunghaft an,  gehörten  Abtreibung, Verhütung und Geschlechtskrankheiten zum Alltag.

Otto Dix – Zuhälter und Prostituierte

200 Bilder, dazu historische Fotografien und Magazine sind in der Ausstellung zu sehen. Hörenswert ist die Audiotour, gesprochen von Schauspieler Volker Bruch.

Katalog zur Ausstellung in der Schirn Frankfurt – Rudolf Schlichter Margot 1924

Der informative und gut gemachte Katalog ist Hirmer Verlag München erschienen www.hirmer.de    Noch bis 25. Februar www.schirn.de