Sibylle war die führende Frauenzeitschrift in der DDR. Gegründet 1956 durch die Malerin und Kostümbildnerin Sibylle Boden-Gerstner, kontrolliert von den Staatsorganen.  Die Fotos sollten nicht zum Kaufen anregen, sondern als Bild eines souveränen Alltags in der DDR wirken. Sie erschien in sechs Ausgaben im Jahr und hatte eine Auflage von 200 000, die sofort vergriffen waren.

So sah die Seiten von Sibylle aus.

Die Entwürfe waren nicht zu kaufen, aber die Ausgaben enthielten Schnittmuster, erstellt vom “Deutschen Modeinstitut”.  Fester Bestandteil waren die Berichte über die Haute Couture – Schauen in Paris, ein wahrhafter Kontrast zu der oftmals biederen Mode der DDR.

Mode 3 als Seite montiert
Foto Ulrich Wüst

Mit dem Fotografen Arno Schmidt gelang eine Revolution der Modefotografie, schon 1962 fotografierte er Models vor einem Gasometer in Berlin. Von 1962 bis 1967 prägte Fischer den Auftritt von Sibylle mit seinen alltagsnahen Aufnahmen.

Arno Fischer, Berlin 1962
Foto Erbengemeinschaft Arno Fischer

Günter Rössler liebte Szenen in Cafés und Warenhäusern, wurde Mode zur Reisefotografie und ungewöhnlicher Atelierinszenierungen.

Barbara 1960er Jahre. Dieses Foto war ein Titelbild.   Foto Günter Rössler

Ende der 1960er Jahre kam Sibylle Bergemann zur Zeitschrift, die melancholische Aspekte in ihren Aufnahmen einfließen ließ. Der Alltag in der DDR war nun zunehmend vom Mangel und Verfall geprägt.

Katharina Thalbach Berlin 1973      Foto Sibylle Bergemann

Ab 1980 mauserte sich Sibylle zu einem Medium von Avantgarde – Fotografie. Spannend der eigentliche Stadtplaner Ulrich Wüst, der gerne die Architektur in seine Modefotos einbaute.

Gran Granaria 1994
Foto Werner Mahler

Sven Marquardt war der Aufenthalt in Berlin -Mitte verboten, so sehr ärgerte der jugendliche Punk die offiziellen Behörden. Nur heimlich konnte die Aufträge vergeben werden. aber seine Fotos zeigten Mode an ungewöhnlichen Orten, waren immer inszeniert.

Ohne Titel
Foto Sven Marquardt

In den Opelvillen ist die Ausstellung  ” Sibylle Die Fotografen” bis zum 26. November zu sehen. Es werden zahlreiche Programmpunkte wie Gespräche mit den Fotografen, Workshop zum Nähen und Filme. Ein Höhepunkt ist sicherlich das Finissage- Gespräch mit Sven Marquardt  am 26.November um 18 Uhr. www.opelvillen.de 

Opelvillen – Front zum Rheinufer

Zur Ausstellung ist ein interessanter Katalog “Sibylle – Zeitschrift für Mode und Kultur” erschienen. www.hartmannprojects.com

Der Vernapark am Rheinufer

Nach der Ausstellung noch einen Abstecher in den Vernapark gegenüber. Benannt nach Eigetümerfamilie ist es seit 1911 ein öffentlicher Park im Stil eines englischen Gartens.